#89 Umgang mit dem inneren Kritiker

6 Schritte wenn dich Perfektionismus lähmt

 

Kennst du das? Du möchtest beispielsweise einen Text schreiben, aber eine innere Stimme in deinem Kopf fängt schon vor dem ersten Satz an zu flüstern: „Es muss perfekt sein, sonst ist es nichts wert.“ oder „Da kommt doch ohnehin nichts Brauchbares heraus, andere können das doch viel besser!“ Schnell ist diese Stimme so mächtig, dass wir wie gelähmt sind und nichts zu Papier bringen.

Daher sind hier 6 Schritte, wie du mit diesem inneren Kritiker umgehen kannst:

1. Akzeptiere deinen inneren Kritiker: Auch wenn er manchmal nervt, ist er ein wichtiger Teil von dir. Stelle ihn dir als eine Person oder ein Wesen vor, das besorgt um deine Leistung ist.

2. Führe einen inneren Dialog: Frage ihn, welche Bedenken er hat. Warum hält er dich von der Aufgabe ab? Möchte er dich vor Fehlern und Misserfolgen schützen? Verstehe seine Bedürfnisse und Ängste!

3. Bedanke dich und triff eine Vereinbarung: Danke dem Kritiker für seine Sorge, aber bitte ihn, jetzt Pause zu machen. Du beginnst jetzt ganz unverbindlich mit der Aufgabe und holst später seinen Rat ein.

4. Verbinde dich mit einem anderen inneren Anteil: Überlege, welche anderen Mitglieder deines inneren Teams dich jetzt unterstützen können – vielleicht ein Pragmatiker, Kreativer oder Experimentierfreudiger. Konzentriere dich nur auf die ersten Schritte der Aufgabe, nicht auf das Endergebnis.

5. Lass den Kritiker Verbesserungsideen geben: Wenn du etwas vorangekommen bist, bitte den Kritiker um konstruktive Kritik. Bedanke dich für seine Anregungen, aber sende ihn erneut in eine Pause, sobald er weiteren Fortschritt blockiert.

6. Wiederhole den Prozess: Setze diesen Prozess fort, bis du dich nicht mehr von Perfektionismus blockiert fühlst und deine Aufgabe erledigt hast.

 

Doch manchmal kann der innere Kritiker so dominant werden, dass er uns immer weiter blockiert und daran hindert, unsere Ziele zu erreichen.

In solchen Momenten ist es hilfreich, einen Schritt weiter zu gehen und diesem inneren Anteil eine wohlverdiente Auszeit zu gönnen. Wie könnte das aussehen?

 

Fantasiereise: Den inneren Kritiker in den Urlaub schicken

Stell dir doch einmal vor, du begibst dich an einen wunderschönen Strand. Die Sonne scheint warm auf deine Haut, du spürst die sanfte Brise des Meeres, und das Rauschen der Wellen beruhigt deine Gedanken.

An diesen Ort nimmst du deinen inneren Kritiker mit und lädst ihn ein, sich neben dir auf einen warmen Felsen zu setzen. Du versicherst ihm, dass alles in Ordnung ist und dass er sich jetzt im Augenblick um nichts zu kümmern braucht. Er darf sich entspannen und einfach die Schönheit der Umgebung genießen.

Und wenn dein innerer Kritiker „Ja, aber …!“ ruft und dich hinweisen möchte auf die ganzen Probleme, die gerade anstehen, dann holst du ihn ganz sanft ins Hier und Jetzt zurück, weist ihn auf die wunderschöne Umgebung hin und versicherst ihm erneut, dass er sich ganz entspannen darf.

Und wenn du allmählich merkst, dass sich dein innerer Kritiker tatsächlich entspannt, kannst du ihm diesen wunderbaren Platz als Dankeschön für seine ständigen Sorge um deine Belange für eine Weile überlassen. Versichere ihm, dass du ihn jederzeit zurückholen wirst, sobald es nötig sein sollte.

Aber für jetzt ist es an der Zeit, dass ihr beide ein wenig zur Ruhe kommen könnt – dein innerer Kritiker an dem wunderschönen Strand und du beim Erledigen der Dinge, die gerade anstehen.

Und wenn du zwischendurch einen kritischen Blick benötigst, kannst du ihm ja eine kurze Nachricht schreiben. Vielleicht reagiert er ja mit etwas Distanz von einem so schönen Ort aus viel milder als gewöhnlich.

Welchen wunderschönen Platz würdest du für deinen inneren Kritiker aussuchen?